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Corpus fascista

08. September 2016, 2060 Zeichen

Das Wasser ist braun, wie die Luft, die sich um mich herum bis über den Horizont türmt. Ich trinke viel davon, denn ich bin durstig und es ist einfach. Trotz des ganzen Drecks ist das Wasser ganz leicht, kaum zu unterscheiden von der Luft, in der ich kaum die Ringe an den Fingern meiner ausgestreckten Hand sehe. Ich brauche nur den Mund zu öffnen und etwas davon in mich hinein zu saugen, um meinen Durst zu stillen, mich etwas sicherer zu fühlen. Das ist gut, hier fühle ich mich wohl, auch wenn das Wasser manchmal steigt und mir vom Hals über die Ohren fliesst. Dann muss ich Wassertreten oder sogar schwimmen, was schwierig ist, weil ich lieber da bleibe, wo ich bin. Ich habe keinen Sinn zur Orientierung, weiss also auch nicht, wohin ich schwimmen soll. Manchmal glaube ich Rufe von weither zu hören oder Lichter, wenn es dämmert. Dann fällt mir wieder ein, dass ich ja ganz alleine hier bin und es keine anderen geben kann. Wenn das Wasser dann wieder gesunken ist, gehe ich also etwas rückwärts, um wieder meine ausgetretene Stelle zu finden. Manchmal geht es jedoch sehr lange, bis das Wasser wieder sinkt und ich spüre wie mich Strömungen erfassen. Ich kämpfe sehr dagegen an und bin danach sehr erschöpft und möchte mich hinlegen. Manchmal höre ich auch etwas wie entfernt stürzendes Wasser. Dann kriege ich immer ganz viel Durst und trinke so viel, bis ich mich wieder sicherer fühle. Durch das viele Trinken habe ich auch eine sehr grosse Blase, die den Grossteil meiner Innereien ausmacht. Alles was mich nährt, ziehe ich aus dem Wasser und der Luft, die ich kaum unterscheiden kann. Unentwegt entleere ich meine Blase und hoffe, die Strömung trägt es fort. Nicht, dass ich mich vor meinen Ausscheidungen ekeln würde, nein nein, eher im Gegenteil. Ich mag nur nicht daran erinnert werden. Manchmal stelle ich mir vor, dass ich den Horizont sehen könnte und festen Boden unter den Füssen hätte und wie bedrohlich das Licht und die Kälte sein müssen, wenn Wasser und Nebel weg wären und bin froh dass es nicht so ist.